Berichte aus der Evaluation

           

Quelle: Broschüre

       

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EVALUATION ?

       

Um die Auswirkungen des Projekts wissenschaftlich zu bewerten und die Möglichkeiten für nachhaltige Strukturen festzustellen, wurde das Team der Interkulturellen EvaluationsAgentur am Europa-Institut für Soziale Arbeit e.V. an der Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin beauftragt, das Projekt "Mitmachzirkus Neukölln" zu evaluieren.

 
 
 
 
         

Die Befragung von 47 Schülern ( Gruppeninterviews ), 70 Eltern ( Fragebogen ), 66 Lehrern ( Gruppen- und Einzelinterviews, Fragebogen ) und 7 Zirkusmitarbeitern ( Gruppen- Einzelgespräche ) hat ergeben, dass der Lernerfolg durch das Projekt unumstritten ist.

 
   
   
           
 

Im Rahmen der Evaluation wurde eine Vielzahl von Problemen in den Bereichen soziales Verhalten, Sprache, Motorik, Persönlichkeitsentwicklung bei Grundschulkindern aus so genannten sozialen Brennpunkten in Neukölln festgestellt. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass das Projekt für diese Schwierigkeiten förderliche Veränderungen mit sich bringt und bedeutende Auswirkungen auf die sozial und bildungsbenachteiligten Schüler trotz seines kurzen zeitlichen Rahmens hat. Darüber hinaus gilt es als Anstoß für eine nachhaltige Förderung der Effekte, die es verursacht.

 
   
   
   
   
   
           
           
 

Folgende Ansätze und Prinzipien des Projektteams des Mitmachzirkus, die zu positiven Entwicklungen der Schüler beitrugen, haben sich als effektiv erwiesen.

 
         

Auswahl der Zirkusdisziplinen, die verstärkt motorische Fähigkeiten fördern.
Altersheterogene Gruppen
Ein geregelter Tagesablauf
Möglichkeit zur selbständigen Freizeitgestaltung sowie zum selbständigen Trainieren
Enge Kooperation zwischen allen Trainern und ihre Mitwirkung in allen Disziplienen
Trainer als Vorbilder im sozialen Verhalten und in zirzensischen Fähigkeiten
Aktives Miteinbeziehen der Tiere  
Tägliche neue Herausforderungen zum Abbau von Ängsten und zu neuen Erfahrungen  

Einschätzung der Potenziale jedes Kindes, individuelle ressourcenorientierte Förderung bei allen Disziplinen und Anerkennung der Leistung, der persönlichen Erfolge und der Verhaltensbesserungen mit viel Lob und Belohnung

 
   
   
Schwerpunkt "Sprachförderung" beim Clownstraining  

Berücksichtigung von Partner- und Gruppenarbeit in allen Disziplinen und wiederholte Betonung der Wichtigkeit von Teamarbeit

 
   

Die Vorführung als ein gemeinschaftliches Ziel, das Kommunikations- und Kooperationsfähigkeiten, Ausdauer, Verlässlichkeit und Zusammenarbeit erfordert

 
   
           
           

Die hohe Motivation und die außerordentliche persönliche Engagement der Zirkusfamilie für das Projekt ist als ein weiterer bedeutender Aspekt zu betonen. Als Beispiele sind hier die Aufmerksamkeit gegenüber jedem Kind während des Trainings, die Versorgung mit Essen und Trinken für bedürftige Kinder und das zusätzliche, zum Projekt angebotene, kostenfreie Nachmittagstraining zur Förderung der talentierten und/oder vernachlässigten Kinder zu nennen.

 
 
 
 
 
         
 

Die soeben dargestellten Ansätze ermöglichen den Erwerb vielfältiger Kompetenzen durch die Schüler, was aus den Evaluationsergebnissen aller Befragten  deutlich hervorgeht. Alle Beteiligten nehmen den Lernprozess im Zirkus mit Begeisterung, Faszination und großem Interesse wahr.

 
   
   
           
Soziale Kompetenzen und Sozialisation  
 

Das Projekt unterstützt die Entfaltung eines Gemeinschaftsgefühls und der gegenseitigen Verantwortung. Es begünstigt die Ausbildung von Disziplin und sozialem Verhalten, von Hilfsbereitschaft, Fairness und Rücksichtnahme nicht durch Leistungs- oder Konkurenzdruck, sondern Kommunikation und Zusammenarbeit. Die Förderung der sozialen Kompetenzen nimmt im Projekt eine außerordentliche wichtige Stellung ein.

 
   
   
   
   
           
 

Die Beteiligung mehrerer Klassen führt zu neuen Kontakten. Eine Woche der Zusammenarbeit scheint zeitlich zu kurz zum Schließen fester Freundschaften, zugleich jedoch lang genug, um zu zeigen, wie eine gute, effektive Zusammenarbeit in heterogenen Gruppen funktioniert. Dieser Ansatz ist insofern als denkanstoß für die Schulen zu verstehen, um Möglichkeiten klassenübergreifender Arbeit zu schaffen.

 
 
 
         
Motorische Fähigkeiten
 

Koordination und Geschicklichkeit werden mithilfe einiger Disziplinen stärker gefördert, Insbesondere wird auch die Feinmotorik geschult, was den Schülern beispielsweise hilft, einen Stift besser zu halten.

   
           
Individuelle Kompetenzen bzw. positive Persönlichkeitsentwicklung  
 

Durch das Projekt werden Durchhaltevermögen, Aufmerksamkeit, Konzentration, Zuhören, Selbständigkeit, Selbstorganisation sowie Selbstbewußtsein der Schüler gestärkt.

 
   
           
Sprachliche Kompetenzen  
  Deren Förderung wurde v.a. in Bereichen Clownerie und Moderation festgestellt.  
           
Sensibilisierung für die Umwelt unter anderem durch Begegnung mit Tieren  
  Dieser Aspekt erweist sich als außerordentlich wichtig und wurde von allen Befragten stark betont.  
           
           

Diese Ergebnisse zeigen zum einen, dass die Projektziele hinsichtlich der Kopetenzentwicklung sowie der Entdeckung und Nutzung von Eigenpotenzialen der Schüler erreicht werden, zum anderen, dass den oben beschriebenen Ausgangsproblemen und Schwierigkeiten der Schüler mithilfe bestimmter, etwa personen- und ressourcenorientierter, Ansätze und Methoden entgegengewirkt werden kann.

 
 
 
 
         

Die Möglichkeiten zu aktiver Beobachtung, die Selbsteinbeziehung in die Projektwoche, die Motivation und Inspiration der Kinder beim Training, die Hilfe beim Training und die zusätzliche Unterstützung bei der Beaufsichtigung der Kinder wurden vonseiten der Lehrkräfte ( 75% ) als positiv für ihre Arbeit beschrieben. Vonseiten der Zirkusmitarbeiter wurde dies als behilflich und effektiv für die gute Zusammenarbeit der Schule und dem Zirkus in dem Projekt formuliert.

 
 
 
   
   
           
 

Der Mitmachzikus stellt ein Angebot dar, das wichtige Bereiche abdeckt, die in der Schule nicht ausreichend ausgebildet werden. Die Lehrkräfte nehmen in der Befragung wahr, dass die oben genannten Kompetenzen in der Schule keine gleichwertige Förderung erfahren. Daran schließt sich eine der Evaluationsfragen an: Inwieweit ist es realisierbar, nachhaltige Strukturen an der Schule zu schaffen, um die positiven Effekte der Zirkuswoche längerfristig zu fördern und die Zirkuspädagogik an der Schule zu integrieren?

 
   
   
   
   
           
 

74 % der Lehrkräfte aus der Postbefragung nehmen bereits eine Veränderung im Verhältnis der jeweiligen Schüler zur Schule wahr sowie ein verbessertes Schulklima sowohl zwischen den Schülern als auch zwischen den Schülern und den Lehrern. Ebenso wird im Schulalltag beobachtet, dass die Schüler sich öfter Herausforderungen zutrauen, vor denen sie früher Angst hatten. Dies bestätigen auch die Kinderinterviews. In mehreren Schulen wurden bereits Disziplinen aus dem Zirkus in den Sportunterricht integriert, was auf die Bereitschaft der Lehrer zur Verbesserung des Schulunterrichts aud auf ihr Engagement hinweist.

 
   
   
   
   
   
           
 

Die weitere Förderung sozialer, persönlicher, motorischer und anderer Kompetenzen, die Integration der Zirkuspädagogik im Fachunterricht und zirkuspädagogische Fortbildung werden zwar von Lehrkräften befürwortet, die meisten sehen jedoch auf Grund persönlicher Überlastung keine Möglichkeiten, sich mit diesem Bereich intensiver auseinander zu setzen. Es fehlt dabei an räumlichen, finanziellen und personellen Mitteln.

 
 
 
 
         
 

In Bezug auf Eltern der an dem Projekt teilgenommenen Kinder lässt sich sagen, dass sie sehr heterogen sind. Der größte Teil der Lehrer nennt zu geringe Elternarbeit und Unterstützung im Elternhaus als fehlende Rahmenbedingungen für Kompetenzen- Leistungsförderung ihrer Schüler. Die aktive Beteiligung an der Befragung im Zirkus hat jedoch gezeigt, dass es viele Eltern gibt, die ein deutliches Interesse an den Entwicklungen ihrer Kinder haben. Auch das Interview mit dem Zirkusdirektor hat ergeben, dass sich einige Eltern beim Nachmittagstraining des Zirkus Mondeo engagierten. Das vorhandene Engagement-Potenzial dieser Eltern sollte genutzt und berücksichtigt werden. Die Mehrheit der Eltern gibt an, dass sie sich mehr Sport- und Freizeitangebote für ihre Kinder wünschen, jedoch werden die bereits vorhandenen Freizeitangebote von 84% der Befragten bis jetzt nicht genutzt.

 
   
   
   
   
   
   
   
           
 

Die Zirkusfamilie zeigt den oft verzweifelt wirkenden Lehrern mit Ergebnissen ihrer Arbeit Hoffnung und Perspektive: Alle am Projekt beteiligten Kinder sind lernfähig. Sie können zuhören, sie können Disziplin lernen, sie können Verantwortung übernehmen. Um diese Fähigkeiten zu mobilisieren, wird jedoch ein individueller Zugang sowie viel Einsatz und Geduld vonseiten aller gebraucht, die sich mit diesen Kindern beschäftigen.

 
   
   
   
   
           

Der Mitmachzirkus ist als erfolgreiches Präventionsprojekt zu sehen, in dem jedes Kind Akzeptanz und Zugehörigkeit erfährt, unabhängig von seiner sozialen Situation und Herkunft. Die Zirkusfamilie zeigt somit allen Kindern, dass sie zur Realisierung gemeinsamer Ziele mitwirken können.

 
 
 
         

Der Zirkus Mondeo ermöglicht die Öffnung der Schulen nach außen, in dem zu einen ein alternativer und praxisorientierter Lernort mit neuen Lern- und Lehrverhältnissen für die Schüler und Lehrer entsteht. Zum anderen wird durch das Kennenlernen der zirkusfamilie  der Zugang zu neuen Vertrauenspersonen geschaffen, die Vorbildcharakter für die Kinder annehmen. Dadurch werden neue Perspektiven gezeigt und entwickelt.

 
 
 
 
         

Von allen wird gewünscht, dass das Zirkusprojekt als Dauerangebot für die Neuköllner Grundschulkinder etabliert werden könnte. Die Lehrer wünschen sich ein Angebot an ihrer Schule, an dem jede Schulklasse einmal pro Jahr teilnehmen kann und äußern ihre große Zufriedenheit über den erfahrenen Projektverlauf, die dortige Organisation und Struktur. Denn so haben die Kinder die Möglichkeit, aus ihrem Kiez zu kommen und ein neues Lernumfeld zu explorieren. Die Lehrkräfte empfinden die Projektwoche als etwas Impulsauslösendes, etwas, das neuen Schwung in den Schulalltag bringen kann, etwas, von dem sie sich inspirieren lassen können und wollen.

 
   
   
   
   
   
   
         

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